Lateinwettbewerb 2016

„Hilfe, Seeräuber!“ „Cool! Seeräuber!“ Bist du bei Caesar? Möchtest du mit ihm tauschen, obwohl die Piraten ihn wohl gar nicht so schlecht behandelt haben sollen. Und dennoch, möchte ich wohl lieber nicht mit ihm tauschen, mal davon abgesehen, dass ich nicht in der Zeit reisen kann. Will ich vielleicht auch gar nicht. Aber wo wir gerade bei Zeit sind, wie lange haben wir noch Zeit? Nicht mehr lange? Ups… Ich muss noch den Absatz schaffen! Seeräuber… Am Ende ist man doch immer froh, nicht da gewesen zu sein, allein schon, weil die Piraten am Ende hingerichtet werden und Caesar siegt, aber wenn ich mit ihm getauscht hätte, so hätte ich schließlich zusehen müssen, wie man jemanden hinrichtet und das wäre doch wirklich nicht erfreulich gewesen. Lieber sitze ich hier zwischen meinen Freunden und Mitschülern, die heute meine Verbündeten sind. Kenne ich diese Schülerinnen und Schüler nicht laut? Doch heute ist es still in dem Raum und ich denke nicht, dass es die Geschichte von Caesar ist, die sie so ruhig werden lässt. Denn wann sind Schüler in der Unterrichtszeit mal ruhig? Eigentlich nie! Aber! Bei Lateinwettbewerben! Das glaubt ihr mir nicht? Dann nicht! Schon fast 60 Minuten sitzen wir hier und die Zeit tickt weiter. Überall wachsen die Texte und Übersetzungen auf dem Papier. Es ist immer fast wie Zauberei. Da steht ein Text, wenn man ihn mit verschwommen Augen betrachtet oder einfach langsam liest, so versteht man nichts und plötzlich ergibt die alte Sprache Sinn und es ist fast, als würde man eine Geheimschrift entziffern. Geheimnisse! Das ist eh so ein Wort für sich und eng verbunden mit „nicht wissen!“ und das ist wiederum ein weiterer Punkt, denn es ist nicht Gruppenarbeit gefragt, sondern jeder kämpft für sich, in seinem eigenen Piratenschiff, das zwar heute ein Tisch und ein Stuhl sind, aber immerhin ist beides aus Holz. Naja, wenn man sich nun aber anschaut, so bekämpfen wir doch nur einen Text und keine Seeräuber und es ist mir doch lieber so.

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Ein Kopfzeichen Richtung Tür, ein Nicken meinerseits. ‚Natürlich, darfst du schon rausgehen.‘ Ich brüte unterdessen weiter über meinen Aufgaben, dem längsten Teil. Aufgeweicht! Vielleicht ist das das richtige Wort, vielleicht auch nicht. Irgendwann ist ein Schwamm einfach mit Wasser voll, nur ist es hier Latein. ‚Wie war das?‘ ‚Ich habe keinen Ahnung mehr!‘ ‚Komm! Gleich bist du fertig!‘ So fand ich doch, dass der zweite Teil nach der ersten Pause entscheidend härter war, als die Übersetzung und auch nicht ganz so magisch und geheimnisvoll, vielleicht eher unübersichtlich! Hier mal eine Aufgabe gemacht, dort mal eine Aufgabe gemacht, hier mal was verbessert, dort mal was verbessert. Den Überblick verlieren, also ich sehe schon lange nicht mehr durch, was ich gemacht habe und welche Aufgaben mir über Postkarten von Caesar und Steininschriften noch fehlen. Doch es scheint nicht allen so zu gehen, die meisten haben den Raum bereits verlassen und genießen ihre Pause. ‚Ich will auch raus! Ich komm doch eh nicht mehr weiter!‘ Aber noch ein letztes Mal sehe ich die Zettel durch und ergänze, die noch immer nicht eingetragenen Punkte nach Bauchgefühl. Das muss jetzt reichen und wenn nicht, dann eben nicht! Mit mehr Konzentration wären die Aufgaben sicher leichter zu meistern gewesen, aber so ist plötzlich das Aufgabenblatt nur noch Papier und die Aufgaben nur noch schwarze Buchstaben auf dem Papier.
Zum Glück habe ich Schokolade mit! Die Pausen sind zwar kurz, aber die gute Luft scheint zumindest ein bisschen den Kopf zu kühlen, der noch immer zu dampfen scheint. Aber so langfristig… Es ist mit dem liegenden Schnee doch ziemlich kalt. Zum Glück sind wir ja nicht so lange draußen, der letzte Teil wartet! Noch zwei Minuten: „Ja, wir sollten vielleicht wieder rein gehen!“ Wir betreten das immer warme Oberstufengebäude, in dem der Lateinwettbewerb geschrieben wird, obwohl keiner der heute schreibenden Schüler aus der Oberstufe ist. Die Treppe hoch, jetzt um die Ecke. Die dritte Tür rechts, ups, der Rest ist schon da! Schnell sitzen wir alle wieder brav auf unseren Plätzen. Waren wir spät dran? NEIN, wir doch nicht! Die Höraufgabe. „Ich werde es vermutlich komplett verkacken!“, der einzige Kommentar in der Pause davor von der Seite der Freunde. Mal sehen, so ein paar Worte wird man doch verstehen können. Also, es geht schon mal um diesen Hauptmann der Gallier, der so einen Namen hat, den man schon zwei Tage später nicht mehr aussprechen kann. Kein Wunder, dass er den Kampf gegen Caesar verloren hat, bis man den Namen gerufen hat, wäre man auch schon tot. Zumindest spricht er seinen Männern Mut zu. Einmal hören! ‚Okay, da habe ich nicht so richtig viel verstanden!‘ Vielleicht ab und an mal ein „et“, das war es dann aber auch schon. Warum dürfen wir nicht die „et“s zählen, anstatt rauszuhören, wie er auf seine Männer wirkte oder ob sie begeistert waren. Also gehe man mal von der wahrscheinlichsten Lösung aus, sage man mal, dass er nicht seine Männer anschrie und ihnen die Schuld gab. Sagen wir mal, dass er ihnen Mut zusprach. Hier könnte ich mal c) anhaken. Endlich! Der Tag ist geschafft, obwohl er gar nicht so schlimm war, vielleicht fehlt einfach die Übung, um sich so lange zu konzentrieren, aber ansonsten, besser als den ganzen Tag Unterricht, alle Mal! Und nicht nur, dass wir später erst da sein mussten, früher aus, haben wir auch! Gelangweilt haben wir uns nicht. Ein Gruppenfoto und man meint die Erleichterung und Freude spüren zu können: „Jetzt haben wir es geschafft!“ Obwohl jeder einzeln gekämpft hat und jedem was anderes schwer fiel, ist es doch ein „WIR haben es geschafft!“. Obwohl dies das Lachen auf dem Foto nicht unbedingt echter erscheinen lässt. Wie kann man auf einem Foto so lachen, wie immer? Geht das überhaupt? Also ein wenig lächeln und der Tag ist beendet, naja für die meisten, die nicht noch auf ihre anderen Klassenkameraden warten oder noch Arbeiten abholen müssen, doch lässt sich so gut der Tag nochmal überdenken: Das fast „Zuspätgekommensein“ und die einzelnen Tische, die doch alle in einem Raum standen und die Tests, die aufeinander folgten! Die Stärken und Schwächen, die sich deutlich abhoben und das Glücksgefühl bei dem Gedanken es geschafft zu haben.
Jelena Cordes, Lateinklasse 8
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