Staatssekretär Dr. Lösel im Interview

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Die Fragen stellten Maurice Schulte-Bücker und Julian Friesenhahn (7bG)

„Was genau ist Ihre Aufgabe als Staatssekretär im Kultusministerium?“

Es gibt in jedem Ministerium einen Minister und einen Staatssekretär. Der Minister ist der Chef des Ressorts an sich und ist auch politisch verantwortlich für alles, was – in unserem Fall – mit Bildung in Hessen zu tun hat. Der Staatssekretär ist der Amtschef, er ist der Leiter des Ministeriums und der Chef aller Beschäftigten (Mitarbeiter im Ministerium, staatliche Schulämter, ca. 60.000 Lehrer).

„Warum haben Sie einen Beruf gewählt, der etwas mit Schule zu tun hat?“

Ich habe eigentlich einen anderen Beruf gewählt. Ich bin Sozialversicherungsfachangestellter. Das ist jemand, der bei einer Krankenkasse arbeitet. Nachdem ich das eine Zeit gemacht hatte und merkte, dass ich damit nicht glücklich werden würde, habe ich meine Hobbys zum Beruf gemacht. Diese waren immer Musik und Religion. Deswegen habe ich Musik und Religion studiert. Dass ich zum Schluss damit Lehrer wurde, war eigentlich Zufall. Es hat mir großen Spaß gemacht, zu unterrichten. Also von daher habe ich alles richtig gemacht.

„Sie waren auch an dieser Schule, wie haben Sie diese Zeit erlebt?“

Wenn man so wie ihr an einer Schule ist, findet man nicht alles prickelnd. Wenn das aber alles ein paar Jahre her ist, so wie bei mir, ich wurde vor etwa 35 Jahren von dieser Schule entlassen, dann findet man grundsätzlich alles, was man dort gelernt und erlebt hat, gut. Diese Phase nennt sich Verklärung.

„Wie hat sich die NAO-Schule von früher bis heute verändert?“

Ich kann zu eurem pädagogischen Konzept und den Lehrern nichts sagen, aber wenn ich hier über den Schulhof gehe, wenn ich sehe, was hier an neuen Gebäuden entstanden ist, dann bin ich maximal überrascht. Es gab damals keine Oberstufe, auch diese Aula nicht und ihr müsst euch vorstellen, das war alles Acker und Wiese. Das war für uns viel Platz zum Kicken, wir haben hier oft Fußball gespielt. Ich hab‘ eben meinen alten Klassenraum besuchen wollen und war dann einigermaßen überrascht, dass dort jetzt die freien Lernmittel untergebracht sind. Es hat sich alles ‘n bisschen verändert, baulich vor allem. Die Oberstufe ist dabei und das ist grundsätzlich für die Schule und für den Standort Bad Schwalbach unheimlich wichtig und gut.

„Was sagen Sie zu „Ottos Garten“?“

Ich finde es prima, dass außerhalb des Schulgebäudes noch etliches gemacht wird, und die Schule den Kindern viel Platz zum Spielen und Bewegen gibt. Es ist super, dass sich Leute dafür Zeit nehmen und sich darum kümmern.

„Was hätten Sie sich früher von Ihren Lehrern und der Schule gewünscht, was fanden Sie nicht so gut und hätte geändert werden sollen?“

Da stell‘ ich doch mal eine Gegenfrage: was gefällt euch denn im Moment nicht so, was hättet ihr gerne geändert?

„Der Lernstress, G8.“

Das bedeutet für euch konkret was?

Wir haben früher Unterricht in der siebten und achten Stunde, 2-mal die Woche und müssen allgemein mehr lernen. Schüler mit G9 hatten bisher weniger oder keinen Nachmittagsunterricht.

Es gibt viele Gründe für G8 aber auch für G9. Und mit einem guten Konzept funktioniert G8 auch gut. Bad Schwalbach hat sich offensichtlich entschieden, in eurem Jahrgang bei G8 zu bleiben. Man hat öfter mal siebte und achte Stunde. Meine Kinder sind beide ganz entspannt durch G8 marschiert und wenn ich sie frage, ob sie lieber G9 gehabt hätten, sagen sie: nein Papa, ich bin doch nicht verrückt, ich bleibe doch nicht ein Jahr länger in der Schule.

„Was waren Ihre Lieblingsfächer und welche haben Sie nicht so gemocht?“

Musik und Religion waren eigentlich immer meine Lieblingsfächer, Latein hatte ich in der siebten Klasse als dritte Fremdsprache gewählt. Latein und ich wurden keine Freunde, aber später habe ich privaten Unterricht in Latein genommen. Ich habe später gelernt, dass dies eine wunderbare Sprache ist, die in vielen Bereichen unheimlich hilfreich sein kann. Wenn du in der siebten Klasse an einem Fach überhaupt kein Interesse hast, kann es sein, dass du‘n paar Jahre später privat viel Geld dafür ausgibst, um das noch zu lernen.

„Welche Fächer finden Sie wichtig, um das Leben zu meistern?“

Alle Fächer sind notwendig. Ich halte es für sehr wichtig, mit einer guten und breiten Allgemeinbildung von der Schule zu gehen. Das gilt für alle Schulformen und Bildungsgänge. Für euch, die ihr Gymnasiasten seid und nach der 13. (12.) eine allgemeine Hochschulreife bekommt, müsst ihr auch einen allgemeinen Überblick haben. Auch wenn es manchmal Themen gibt, von denen ihr denkt, dass man sie nicht mehr braucht, kann man nie wissen, ob sie in der persönlichen Karriere nicht doch wichtig werden. Wir brauchen eine breite Allgemeinbildung, nur dann habe ich die Möglichkeit, später für mich das Passende zu finden.

„Welche Vor- und Nachteile sehen Sie darin, dass Haupt-, Realschule und Gymnasium unter einem Dach sind?“

Es kann nur von Vorteil sein, ihr könnt euch gegenseitig bereichern und ihr lernt auch die anderen kennen. Das finde ich absolut wichtig. Als ich hier war, hatte ich viele Kontakte zu Haupt- und Realschülern, die zum Teil bis heute noch bestehen.

„Nun würden wir gerne das Thema Flüchtlinge ansprechen. Es sind viele Flüchtlinge in unsere Schule gekommen. Wird dadurch die Höchstanzahl von Schülern in einer Klasse angehoben oder wird es mehr Klassen (mehr Lehrer, mehr Räume) geben?“

Die maximale Anzahl von Schülern in einer Klasse wird nicht erhöht. Wenn die Flüchtlinge ankommen, gehen die zunächst mal in eine Erstaufnahmestelle oder in eine Notunterkunft. Nach einer gewissen Zeit werden die dann einer Kommune zugewiesen. In diesem Fall Bad Schwalbach. Und wenn die jungen Flüchtlinge Bad Schwalbach zugewiesen sind, dann sucht man auch den passenden Schulort. Das macht das staatliche Schulamt. Dort gibt es sogenannte Aufnahme- und Beratungszentren, und die vermitteln dann an die Schulen. Und wenn die Gesamtschule NAO beispielsweise drei oder vier Klassen hat, dann schaut man, dass man auch an andere Schulen geht. Was wir nicht wollen ist, dass an einer Schule zehn Intensivklassen sind und an der anderen keine. Die Verteilung nimmt das staatliche Schulamt vor, denn die kennen die Situation vor Ort am besten.

„Wie stellen Sie sich den Deutsch – Unterricht für die Flüchtlinge  vor?“

Der Deutschunterricht dauert in den Intensivklassen in der Regel ein Jahr lang, und wenn sie dann gewisse Sprachkompetenzen erworben haben, besuchen sie die Regelklassen (wenn Leute in der Berufsschule sind bekommen sie 2 Jahre Deutsch – Intensivklasse).

„Wie wäre es, wenn deutsche Schüler den Flüchtlingen noch Deutsch beibringen  würden?“

Wenn ihr sagt, ihr wollt das machen, ehrenamtlich im Nachmittagsbereich – sehr gerne. Das machen schon viele Schüler und Studierende, ganz oft auch Eltern, die nicht nur dem Flüchtlingskind sondern auch dessen Eltern helfen, da gibt es ganz ganz viele Initiativen. Ich kann euch nur den Tipp geben, mal auf unserer Homepage – https://kultusministerium.hessen.de – zu schauen, dort sind diese Initiativen aufgeführt. Wenn ihr da was machen wollt, seid ihr herzlich eingeladen.

„Vielen Dank für das Interview.“

Es war mir eine Freude.