Ausschnitte aus der Schulchronik (2)

entstaubt von Franz Josef Heil
1852
Auch damals war Bildung teuer, und die öffentliche Hand versuchte an den Ausgaben für die Kultur zu sparen. Die Chronik vermerkt:
„Auf dem Bericht des Herzoglichen Kreisamtes dahier – ,,den Kostenaufwand der Realschule im Schuljahre 1852/53 betreffend“ hat Herzogliche Ministerialabteilung des Innern, laut Rescript vom 26. July laufenden Jahres ad Nro : 18,285, der Gemeindekasse zu Langenschwalbach zu diesem Kosten einen Zuschuß von 800 fl. (Gulden) aus Herzoglicher Landessteuerkasse verwilligt.“
Der weitere Inhalt des Rescripts ist folgender:
„Um die Gemeindekasse durch die Kosten der Realschule nicht allzu sehr zu belasten, erscheint in Langenschwalbach die Erhöhung des Schulgeldes geboten, indem der Grundsatz aufrecht zu erhalten ist, daß diejenigen Eltern, welche ihren Kindern eine höhere Bildung geben wollen, auch die nöthigen Opfer nicht scheuen dürfen.
Wir beauftragen daher Herz. Kreisamt, nach Kommunikation mit dem Gemeinderath und Schulvorstande, Uns berichtliche Vorlage zu machen, ob nicht schon vom Herbste laufenden Jahres an das Schulgeld von 10 auf 15 fl. bei der dortigen Realschule erhöht werden kann.
Schließlich bemerken Wir noch, daß in dem Budget der Posten für Erweiterung des Lehrapparats von 150 auf 100 fl. zu ermäßigen ist.“
In der Tat wurde das Schulgeld erhöht, wie der Chronist weiter berichtet:
„Herzogliche Ministerialabteilung des Inneren hat…verordnet, daß von Ostern 1853 an das Schulgeld für den Besuch der Realschule zu Langenschwalbach von 10 auf 15 fl. jährlich zu erhöhen, und das Eintrittsgeld in dem seitherigen Betrage von 2 fl. beizubehalten sei. Herzog. Kreisamt hat hiernach den Gemeinderat zu bedeuten und demselben weiter zu eröffnen, daß der ganze oder teilweise Erlaß des Schul- und Eintrittsgeldes ohne besondere Genehmigung nicht stattfinden darf.“
1902
Rektor Müller, der die Chronik dieser Jahre (übrigens in miserabler Handschrift!) führt, ist als Kind seiner Zeit offenbar von der Notwendigkeit zur Erziehung zum Patriotismus fest überzeugt. So notiert er:
„Kaisergeburtstag (sic!) wurde in hergebrachter Weise durch einen Festaktes (sic!) im Rathaussaale gefeiert. Rektor Müller hielt die Festrede und schilderte in derselben die Tätigkeit unseres Kaisers zu Hebung und Erweiterung unserer Wehrhaftigkeit und aus welchen Gründen dieselbe besonders zur See von so großer Notwendigkeit ist.
Durch Verfügung Königlicher Regierung vom 20. Febr. an den hiesigen (unleserlich!) wurde der Schule durch den Herr Bürgermeister Besier ein Portrait Ihrer Majestät der hochseligen Königin Louise von Preußen überreicht. Das Bild wurde vorschriftsmäßig inventarisiert, in der großen Realklasse aufgehängt und dabei von dem Rektor eine entsprechende Anrede an die Schüler gehalten.
Die verschiedenen Gedenktage wurden im Laufe des Schuljahres vorschriftsmäßig beobachtet.“
1952
Aus den 40 Seiten das Schuljahr 1952/53, die Rektor Lendle zusammentrug – angereichert mit Zeitungsausschnitten und Fotos -, sei folgendes herausgehoben:
„Da nach einem neuen Stellenindex (1 Lehrstelle für 40 Schüler und 0,1 Stelle für jede volle Lehrerstelle = 10 * 0,1 Stelle = 1 Stelle) der Schule einer 11. Lehrkraft zustand, wurde diese Stelle im Amtsblatt (Oktobernummer) ausgeschrieben. Die Bemühungen um einen geeigneten Bewerber, die auch diesmal wieder beeinflußt waren durch die Wohnungsschwierigkeiten, dauerten beim Jahresende 52/53 noch an.
Die Bemühungen, das Rotkreuzhaus (ehemals Kreisluftschutzhaus) gänzlich für die Mittelschule freizumachen, hatten schließlich zum Erfolg geführt.
Die Stadtverwaltung stellte der Kreisstelle des Roten Kreuzes 2 Büroräume im Rathaus zur Verfügung. Die freigewordenen Räume wurden durch Wegfall von Zwischenwänden in ein Klassenzimmer von fast 50 qm Größe umgewandelt. Zwei hinter den beiden Klassenzimmern gelegene Nebenräume wurden (einer davon durch Beseitigung einer Abortanlage) zur Aufnahme der Lehrmittelsammlung für Physik hergerichtet, die damit endlich an einer Stelle zusammengefaßt war. Das neue Klassenzimmer diente in Zukunft als Unterrichtsraum für Physik und Chemie. Es bekam zu diesem Zweck einen durch ein Podium erhöhten Schreibtisch als Experimentiertisch und erhielt, wie das bereits im bisherigen Rotkreuzraum der Fall war, einen Wasserhahn mit Abflussbecken. Der Umbau zog sich bis zum Ende der Sommerferien hin.
Der neue Raum wurde mit Gestühl der Firma Benze ausgestattet. Hierzu erfolgte eine Bestellung von 12 Holztischen und 20 Stühlen der Firma Benze und 12 weiteren Stahltischen und 24 Stühlen der Firma Pfeifer. Das Gestühl wurde so verteilt, dass im Hauptgebäude in Musik und Filmzimmer nur Stahltische und –stühle aufgestellt wurden.
Bei Filmvorführungen, Vorträgen und Feiern konnte in kurzer Zeit einer dieser beiden Räume nach Wegstellen der Tische und Aufstellung von rund 100 Stühlen für den entsprechenden Zweck hergerichtet werden. Das gesamte Benze-Gestühl fand im Rotkreuzhaus Platz, wo somit die gleiche Möglichkeit bestand. Vereinigungen wie evgl. und kathol. Jugendbund, Frauenhilfe, Kulturvereinigung u. a. machten bald hiervon Gebrauch.“