Ausschnitte aus der Schulchronik (3)

entstaubt von Franz Josef Heil
1853
… Im Herbste gingen drei Schüler ab; der ältere davon hatte noch nach seiner Confirmation ein Semester die Anstalt besucht und will nach Amerika auswandern, während der 2te ins Gymnasium Hadamar aufgenommen wurde und der 3te mit seinen Eltern nach England zurückkehrte.
… Über die Zusammensetzung des Schulvorstands hat die Herz. Ministerialabteilung des Inneren als endgültig nachfolgende Hohe Verfügung erlassen: „Auf Hohe Ministerialresolution vom 26. laufenden Monats – das Recursgesuch des evangelischen Schul- und Kirchenvorstands zu Langenschwalbach die Ausscheidung des 2ten evangelischen Geistlichen aus dem Schulvorstande betreffend“. Nach dieser Resolution ist die Beschwerde des evangelischen Schul- und Kirchenvorstandes zu Schwalbach begründet gefunden worden, indem dem evangelischen Kaplan zu Langenschwalbach, da demselben eine selbstständige Pfarrverwaltung übertragen ist, nach Maßgabe der bestehenden Gesetzgebung ein Recht zum Eintritt als Mitglied in den Schulvorstand zusteht, diejenigen Kapläne aber, welche eine selbstständige Pfarrverwaltung nicht haben, eine Befugnis zum Eintritt in den Schulvorstand nicht zugestanden werden kann. Auf Grund dieser Hohen und Höchsten Verfügung fungieren derzeit als Schulvorstand: 1. Herr Pfarrer Ringsmann als Dirigent, 2. Herr Pfarrverwalter Oppermann, 3. Herr Kaplan Gieße, 4. Herr Bürgermeister Philippi, 5. Herr Kaufmann Heinrich Diefenbach und 6. Herr Josef Gruber.
… Auf Bericht vom 9ten November 1853 – den Kostenaufwand für den Lehrapparat der Realschule betreffend – hat Hohe Behörde verfügt, daß für das laufende Schuljahr zur Vermehrung des Lehrapparats nur 50 fl. (Gulden) verwandt werden sollen u. zugleich verordnet, daß bei der Erweiterung des physikalischen Apparats ein beifolgendes Verzeichnis fortan in der Weise beobachtet werden soll, daß die Gegenstände einer späteren Abtheilung erst dann zur Anschaffung in Vorschlag zu bringen sind, wenn diejenigen der früheren bereits vorhanden sind.
1903
… Im Laufe des Winters, als sich die Gemeindekörperschaften mit der Aufstellung des Etats für das kommende Rechnungsjahr beschäftigten, reichten die Lehrer nacheinander zwei Gesuche um Erhöhung der Alterszulagen auf 200 M bei dem Magistrat ein. Lehrer Orthmann lehnte es ab, sich an diesen Gesuchen zu beteiligen. Die Gesuche der Lehrer wurden abgeschlagen und an diese Sache knüpfte sich eine Reihe von Veröffentlichungen von Seiten der Lehrer, teils im Aarboten, teils im Nass. Schulblatt, die letzteren mit einer Spitze gegen den Lehrer Orthmann. Diese Artikel gelangten zur Kenntnis der Königlichen Regierung und hatten die Wirkung, daß der Geheime Regierungs- und Schulrat Hildebrand von der Regierung geschickt wurde, die hiesige Schule zu besichtigen und dabei die vorhandenen Zwistigkeiten zu schlichten. Der Vertreter des Königlichen Regierung war hier am 7. und 8. Mai, revidierte sämtliche Klassen, nahm dabei sämtliche Lehrer zu Protokoll über ihren Anteil an jenen Veröffentlichungen und hielt schließlich eine Sitzung mit dem Schulvorstande ab, um den unliebsamen Mißhelligkeiten ein Ende zu machen. Infolge davon wurde den Lehrern durch Verfügung Königlicher Regierung vom 23. Mai 1903 ein ernster Verweis erteilt und für den Wiederholungsfall ernste Bestrafung angedroht.
1953
… Man wollte sich im Kollegium auch „menschlich“ näher kommen, die Lehrersfrauen sollten ihre Rezepte im Kochen und der Behandlung erschöpft und abgekämpft heimkommender Schulmeisterehemänner austauschen. So nahm das Kollegium nebst Angehörigen an einer Fahrt der Lehrerbezirksgruppe Bad Schwalbach in den Hunsrück und an den Rhein teil. Am 2.101953 besuchte das Kollegium der Mittelschule – Mann, Weib und Kind – das Töpferdorf Ransbach im Westerwald. Kaplan Schwaderlapp, dessen Geburtsort es war, vermittelte uns in seinem Vater und seinem Bruder orts- und sachkundige Führer. Mit Töpfen reich beladen fuhr man durch das herbstliche Gelbachtal zurück und fiel in später Stunde noch einmal im „Schwalbacher Hof“ ein.