Ausschnitte aus der Schulchronik (4)

entstaubt von Franz Josef Heil
1854
Auf Bericht vom 8. des laufenden Monats – die Gesuche mehrerer Eltern in Langenschwalbach um Erlaß des Realschulgeldes für ihre Söhne betreffend – hat Hohe Ministerialabtheilung des Innern folgende Verfügung erlassen: „Wir können im Interesse weder der Real- noch der Elementarschule zugeben, daß bei Gesuchen um Erlaß des Schul- und Eintrittsgeldes für Realschüler hauptsächlich die Bedürftigkeit der Eltern in Betracht gezogen wird, müssen vielmehr darauf bestehen, daß Elementarschüler, deren Eltern im Falle der Mittellosigkeit auf eine derartige Vergünstigung Anspruch machen wollen, sich zuvor durch Anlagen, Fleiß, Fortschritte und Betragen während des Besuchs der Elementarschule auf eine hervorstechende Weise vortheilhaft ausgezeichnet haben.“ Auf wiederholtes Gesuch haben darauf 4 Elementarschüler die Hälfte des Realschulgeldes erlassen bekommen, weil über diese die Zeugnisse über Fähigkeit, Fleiß und Betragen sehr günstig lauteten.
Die Gemeindecasse dahier erhielt lt. Rescript vom 22. Nov. 1854, Nr. 37.516, zu den Kosten der Realschule einen Zuschuß aus der herzoglichen Landessteuercasse von 700 Gulden, wovon 500 Gulden im Juli und 200 Gulden im November aus herzoglicher Receptur dahier ausbezahlt wurden. Zu diesem Hohen Rescript ist schließlich bemerkt, daß von dieser Summe der auf das Schuljahr 1854/55 fallende Theil der durch Decret vom Heutigen dem Reallehrer Chun bewilligten Zulage von 40 Gulden zu bestreiten ist. Gleichzeitig erhielt Reallehrer Chun durch Hohes Rescript Nr. 37.507 eine Gratifikation von 90 Gulden für das laufende Schuljahr.
Von Ostern 1853 ist das jährliche Beitragsgeld von 10 auf 15 Gulden erhöht worden, daher in beiden letzten Jahren die Summa der Schulgelder so gestiegen, dagegen die Zuschußsumma gefallen erscheint. Die Latinisten haben außer dem Schulgelde noch weitere jährliche 10 Gulden zu entrichten.
1904
Im Sommersemester erlitt die Schule einen schweren Verlust durch den Tod des sehr tüchtigen, allgemein beliebten und geachteten Lehrers H. Nohlen. Derselbe erkrankte am 7. Juni. Die Krankheit nahm rasch einen gefährlichen Charakter an und am 22. Juni erlag er bereits derselben. Am 25. Juni fand die Beerdigung Nohlens statt. Sämtliche Lehrer des Kollegiums, viele Lehrer der Inspektion, die Schüler der Realklassen und die vier oberen Elementarklassen gaben ihm das letzte Geleit. Am Grabe sprach Herr Lehrer Gerg im Namen der Lehrerschaft. Die durch den Tod Nohlens frei gewordene Stelle wurde zunächst mit versehen und von der Königlichen Regierung zur Bewerbung ausgeschrieben… Nachdem die freie Mittelschullehrerstelle vom Magistrat erneut ausgeschrieben worden war, meldeten sich schließlich zwei Lehrer. Von der Königlichen Regierung zur Beschlußfassung über die Bewerbung aufgefordert, entschied sich der Schulinspektor, die Berufung des Lehrers Walter Billing zu Frohse an der Elbe zu beantragen, weil derselbe das Mittelschullehrerexamen in Mathematik und Naturwissenschaften gemacht hat und diese Fächer bei der Besetzung der genannten Stelle berücksichtig werden müßten.
1954
Da im Falle der Bad Schwalbacher Mittelschule tatsächlich eine Beziehung zu einem berühmten Mann bestand, entstand der Gedanke, die Nachkommen von N.A Otto um die Erlaubnis zu bitten, die Schule Nikolaus-August-Otto-Schule zu nennen. In einem Schriftverkehr mit der noch lebenden Tochter Frau Professor Hegener in Bad Wildungen und der Klöckner-Humboldt-Deutz AG wurde deren Zustimmung eingeholt. Am Ende der Schuljahres fehlte die Zustimmung der Stadtverordneten, so daß mit der ministeriellen Genehmigung erst für 1955/56 zu rechnen war.
Am 5. Mai sprach die Landtagsabgeordnete Ruth Horn von der SPD im Gasthaus „Krone“ in einer öffentlichen Versammlung über „Volk und Schule – Die hessische Kulturpolitik“, die insgesamt gesehen sehr schwach, von der Lehrerschaft jedoch gut besucht war.
Auch in diesem Jahre wurde zur Bekämpfung der Verkehrsunfälle eine Verkehrserziehungswoche in Form eines Wettbewerbs abgehalten. Zehn Fragen mußten zunächst schriftlich beantwortet werden. Hieraus wurden innerhalb der Klassen die Klassensieger ermittelt. Die örtlichen Polizeistellen lasen aus diesen Klassensiegern Ortssieger aus, aus denen in einem dritten Wettkampf die Gendarmerie des Kreises die Kreissieger ermittelte. Im Kreis wurden 2.550 Kinder geprüft, in den Endkampf kamen 33 Schüler(innen), von denen 20 Preise erhielten.
Vor den Sommerferien besuchten mehrere Klassen der Mittelschule eine Aufführung von „Wilhelm Tell“ auf der Loreley. Bei einer solchen Aufführung traf sich Klasse IV b (Herr Kaiser) von Bad Schwalbach mit einem Bus zur Aufführung kommend, mit Klasse V, die unter Führung von Fräulein Kroth eine mehrtägige Wanderung durch Taunus und Hunsrück gemacht hatte.