Ausschnitte aus der Schulchronik (5)

entstaubt von Franz-Josef Heil
1855
Der wesentliche Einfluß eines zweckmäßigen Lesebuches auf den Gesamtunterricht in jeder Unterrichts-Anstalt, so wie auch ganz besonders auf den Unterricht in einer Realschule, ist so einleuchtend und als bekannt voraus zu setzen, daß eine Aufzählung desselben überflüssig erscheinen müßte. Ebensowenig bedarf es wohl einer weiteren Begründung, warum man für das bisher gebrauchte Nassauische „Lesebuch für die oberen Classen der Elementarschulen“ ein anderes, mehr dem Unterricht in einer Realschule entsprechendes und gleichsam als Unterlage dienendes neu eingeführt wünschen müßte. Unter den vielen in der neusten Zeit erschienenen Lesebüchern, welche man prüfte, fanden sich zwar manche nach ihrem Inhalte ganz zweckdienend; allein der hohe Preis machte die Einführung unmöglich. Zu dem Werke: „Lebensbilder, ein deutsches Lesebuch für Oberclassen der Volksschulen“ von Berthelt pp., neunte Auflage, Partiepreis 28 Kreuzer, 1854, glaubten die Lehrer der deutschen Sprache, Collaborant Zickendraht und Reallehrer Chun, ein Lesebuch gefunden zu haben, welches hinsichtlich des reichhaltigen Stoffes und des mäßigen Preises zur Einführung geeignet sein dürfte. Zu dem Ende erlaubten sich dieselben dieses Buch Herzoglicher Schulinspektion zu weiterer Prüfung vorzulegen und um die Genehmigung zur Einführung zu bitten…
Im Rescript antwortet die Herzoglich Nassauische Landesregierung: … über die Einführung resp. Empfehlung des Müller’schen Buches muß die Entschließung bis auf die Zeit ausgesetzt bleiben, wo das Resultat der Prüfung desselben, mit welcher Professoren des hiesigen Realgymnasiums beauftragt sind, eingegangen sein wird…
Später genehmigt die Regierung den Antrag: Die Einführung dieses Lesebuches wurde nun sofort vollzogen, und die Benutzung dieses schönen Buches entspricht ganz seinen Zwecken.
1905
Die Herbstferien erfuhren gegen sonst eine kleine Änderung. Im Monat September war Langen-Schwalbach und die Umgegend von Militär stark belegt, da die Kaisermanöver im Regierungsbezirk Wiesbaden stattfanden. An vier Tagen waren sämtliche Schulräume mit Militär-Büreaus belegt, und der Unterricht mußte ausfallen. Gemäß einer Verfügung Königlicher Regierung wurden drei Tage von den Herbstferien in Abzug gebracht. Dieselben dauerten daher vom 21. September bis 8. Oktober, 2 ½ Wochen. Kurz vor Beginn der Ferien reichte Lehrer Lauenstein ein Gesuch um Urlaub ein, weil er stark an Nervosität leide. Königliche Regierung bewilligte einen Urlaub von drei Wochen im Anschluß an die Herbstferien bis zum 28. Oktober. Am 30. Oktober trat Lauenstein seinen Dienst wieder an, ein Gesuch um Urlaubsverlängerung wurde von der Behörde nicht genehmigt.
1955
In der Nacht von Donnerstag, den 16., auf Freitag, den 17. Juni 1955, schied Mittelschulkonrektor Zimmermann nach einem nur zweitägigen Fernbleiben vom Unterricht überraschend aus dem Leben, nachdem er mehr als 36 Jahre ununterbrochen zuerst an der Bad Schwalbacher Volksschule und später an der Mittelschule gewirkt hatte. In den Nachrufen von Collegium, Schülern und Elternbeirat, von Magistrat und Stadtverordneten, in den Ansprachen am Sarge in der Trauerhalle des Südfriedhofes zu Wiesbaden klang die Bedeutung und nachhaltige Wirkung auf, die der Verstorbene für das Schulleben von Bad Schwalbach gehabt hatte. Der Chronist verlor mit ihm nicht nur den hochbegabten und zum stärksten Einsatz jederzeit bereiten Mitarbeiter und Kollegen, sondern auch den Freund und Seminar-Kameraden, mit dem ihn persönliche Schicksale beider Familien aufs stärkste verbanden. Mit seinem Tode entstand eine Lücke im Kollegium, die nahezu unschließbar war.