Schulgeschichte(n)

Aus der Schulchronik (1)
Aus der Schulchronik (2)
Aus der Schulchronik (3)
Aus der Schulchronik (4)
Aus der Schulchronik (5)

Unsere Schule in ihrer jetzigen Organisationsform als kooperative (d.h. in Schulzweige gegliederte) Gesamtschule wurde mit Beginn des Schuljahrs 1974/75 eingerichtet. Sie baut personell, organisatorisch und inhaltlich auf früheren Schulen in Bad Schwalbach und im westlichen Untertaunus auf. Hierauf sei ausdrücklich hingewiesen, damit es nicht missverstanden wird, wenn im folgenden nur Daten aus der Geschichte der Schulen in Bad Schwalbach selbst, und da wieder bevorzugt der Mittelschule, angeführt werden.

1598
Erstmalige Erwähnung einer Schule in Bad Schwalbach
In der Folgezeit lutherische Schule hinter der Martin-Luther-Kirche abgerissen

1784
verlegt nach Adolfstraße 41
reformierte Schule hinter der jetzigen Adler-Apotheke, abgerissen 1817
katholische Schule zwischen kath. Kirche und Alleesaal, abgerissen 1834
(Bau der „Neullstraße)

1817
in Nassau werden die Konfessionsschulen aufgehoben:
Simultanschule im Gebäude der „alten Mehlwaage“ (Bäckerei Weller – Fuhr)

1832
Umzug in das neue Rat- und Schulhaus („Hufeisenschule“); neben den Räumen der Gemeindeverwaltung und der Schule befanden sich dort auch Wohnräume für 2 Lehrer und den Gemeindediener

1838
Einrichtung einer privaten „Realschule“ mit 26 Schülern und 1 Lehrer; der Stadtvorstand bewilligte, „die Wichtigkeit einer solchen Lehranstalt erkennend“, im Stadthause das nötige Lokal, die Beschaffung des Brandholzes und aller übrigen Schulbedürfnisse“. (Der Begriff der nassauischen Realschule bedeutete nicht dasselbe wie das heutige Wort. Es handelte sich um eine Volksschule mit etwas erweitertem Angebot, vor allem in Fremdsprachen. Realschule im heutigen Sinn wurde die Schule erst 1926.)

1840
In Nassau werden zum 1.5. sechs öffentliche „Realschulen“ errichtet, darunter eine in Bad Schwalbach (Eröffnung in Bad Schwalbach erst am 7. Mai, da das „Lehrzimmer“ noch nicht fertig war); die Schule hat nur 1 Klasse, steht nur „Knaben“ offen (die – nach Jungen und Mädchen getrennte – Elementarschule ist weiterhin im gleichen Gebäude).

1844
2. Klasse eingerichtet; 37 Schüler, 2 Lehrer

1864
Die Schule nimmt auch Mädchen auf („Real- und Höhere Töchterschule“); 3 Klassen mit 42 Jungen .und 19 Mädchen

1870
4 Klassen, 78 Schüler – es fehlt an Platz; der Schulleiter muß das größte Zimmer seiner Wohnung abgeben

1872
Raumnot (vielleicht auch das Bestreben, der Elementarschule zu entgehen) führt zur Einrichtung einer „Vorklasse“, die in einen angemieteten Raum in einem Privathaus ausgelagert wird

1873
2 (ausgelagerte) Vorklassen

1876
organisatorische Vereinigung der Real- und Elementarschule unter einer Schulleitung, mit einem Kollegium (um die „Lehrkräfte je nach Bedürfnis“ verwenden zu können), jedoch verschiedenen Lehrplänen: „Vereinigte Real- und Volksschule“
Damit wurde deutlich gemacht, dass die nassauischen Realschulen rechtlich nur Volksschulen (wenn auch mit einigen Klassen mit erhöhten Anforderungen) waren und mit den preußischen Realschulen, die höhere Schulen waren, nichts zu tun hatten.
(Begründung des Kultusministers im Reichstag: „Die in Gemäßheit der Verordnung vom 05.11.1861 eingerichteten nassauischen Realschulen gehörten bekanntlich bisher weder zu den höheren Lehranstalten noch zu den Volksschulen, und es war dies der Grund, dass den Lehrern bis dahin aus den für diese zur Disposition stehenden Staatsmitteln eine Verbesserung ihrer äußeren Lage nicht zuteil werden konnte. Dies ist jetzt geändert, indem es im vorigen Jahr gelungen ist, die Realschulen ……. durch Einrichtung vereinigter Volks- und Realschulen dem Volksschulwesen der betreffenden Orte organisch anzufügen.

1880
Rückgang der Schülerzahlen führt zur Schließung einer Realschulklasse und zum Auflösen der ausgelagerten Vorschule, deren Klassen zur Volksschule kommen, die damit sechsklassig wird; die Realschule hat nur noch 3 Klassen; 1 Lehrer wird versetzt (von inzwischen 5)
(Die Rücknahme der ausgelagerten Vorschule allerdings nur möglich, indem von der Dienstwohnung des Stadt- und Schuldieners 1 Zimmer zu einem Klassenraum gemacht wird.)

1896
Einweihung des Erweiterungsbaus („Vergissmeinnichtschule“ wegen der hohen Schuldenlast); erbaut weniger wohl um den Schulen, sondern um der Stadtverwaltung mehr Platz zu schaffen

1898
Vorklassen werden offiziell aufgehoben

1899
Sparmaßnahmen der Preuß. Regierung: Kürzung des Zuschusses an die Stadt, Abbau einer weiteren Lehrerstelle ( wurde ausgeglichen durch Vermehrung der Unterrichtsstunden aller Lehrer und Klassenzusammenlegungen von Volks- und Realschule); gleichzeitig in der Bürgerschaft ständige Diskussion, die Realschule zu einer höheren Realschule oder gar einem Realgymnasium auszubauen; wegen der hohen Kosten und des „geringen Vorteils“ eines solchen Ausbaus immer wieder von den Behörden abgelehnt

1913
Aarbote vom 17.7.1913: „Die hiesigen Schulen hatten schon lange über unzulängliche Räume und mangelnde innere Ausstattung zu klagen. Besonders in den Klassenzimmern der Realschule fehlt es an Platz, Luft und Licht…… Diesen und anderen Mißständen wird jetzt mit einem Schlage abgeholfen. Das Stadthaus wird für die Folge nur Schulzwecken dienen.“ Da die Umbauarbeiten längere Zeit als vorgesehen beanspruchten, wurden die Herbstferien vorgezogen und an die Sommerferien angehängt.
1920-1928
Schulgebäude sind von der französischen und englischen Besatzung beschlagnahmt; Appell an Bürger, geeignete Räume für die Schulen zur Verfügung zu stellen; Verwaltung der Schulen und Unterrichtsräume in der ganzen Stadt in 12 Häusern verstreut – vom Kohlensäurewerk bis zum Stahlbadehaus

1921
Beginn des Unterrichts nach dem Lehrplan der Mittelschule (5 Klassen); „Mittelschule im Entstehen“

1926
öffentliche „Mittelschule“ mit der Berechtigung, das Zeugnis der „mittleren Reife“ zu erteilen

1938
140 Schüler, 6 Klassen, 6 Lehrer; Klagen über Raumnot, da die Räume für Volks- und Mittelschule zusammen nicht ausreichen (aus der Festschrift zur 100-Jahrfeier: Es …. fehlen ferner Physik-, Naturalien- und Bibliothekzimmer. Man wagt kaum, neue Lehrmittel und Karten anzuschaffen, weil nichts da ist, um sie einigermaßen unterzubringen…… Keine Klassengemeinschaft hat ihr eigenes Zimmer …. Fast nach jeder Unterrichtsstunde entsteht durch Klassenwechsel eine kleine Völkerwanderung.)

1945
Im Herbst Wiederbeginn des Unterrichts; rasch steigende Schülerzahlen verstärken Raumprobleme;

1949
werden durch Anmieten eines in der Nachbarschaft erbauten ehemaligen Verwaltungshauses des Reichsluftschutzbunds Räume gewonnen;

1950
Auslagerung von Unterricht in den „Lindenbrunnen“; Unterteilung der Turnhalle durch Zwischenwände; Unterricht in Dachkammern und im offenen Dachboden. Diskussion, wie Abhilfe zu schaffen sei, und -einander widersprechende- Prognosen der Schülerzahlen und des Raumbedarfs beschäftigen Lehrer, Eltern, Schulträger und Schulaufsicht und bieten der lokalen Presse dankbaren Stoff

1952
die Stadtverordnetenversammlung beschließt den Neubau eines Gebäudes für die Volksschule (an der Pestalozzistraße)

1954
Grundstein für diese Schule wird gelegt

1955
die Mittelschule erhält den Namen ‚Nikolaus-August-Otto-Schule“: 449 Schüler, 12 Klassen, 14 Lehrer

1965
1. Bauabschnitt der neuen Volksschule wird eingeweiht; die Mittelschule kann die Räume im Dachboden (baupolizeilich beanstandet) und im Lindenbrunnen aufgeben und aus den beiden größten Klassen IVa/b mit 50 und 52 Schülern drei Klassen bilden

1957
Diskussion über eine Oberschule (Gymnasium) in Bad Schwalbach lebt wieder auf; Raumprobleme beider Schulen bleiben Dauerbrenner;
Diskussion um Neuorganisation des Schulwesens im UTK Planung von Mittelpunktschulen;

1961
erste Erwähnung von Neubauplänen (Wiedbachtal), erste Debatten in der Stadtverordnetenversammlung über Bedarf, Standorte und Finanzierung;
Ausbau von Michelbach und Hahn verändert den Einzugsbereich der Bad Schwalbacher Schule (zwischen 1950 und 1965 wurde die Schule von Schülern aus 62 Gemeinden bis hin nach Hahnstätten, Ketternschwalbach oder Neuhof besucht)

1968
Neubau im Wiedbachtal wird von den Klassen 5 und höher der Volksschule und der Realschule (Bezeichnung seit 1962) bezogen; Klassen 1 – 4 und Sonderschule bleiben in den Gebäuden an der Adolf- und Pestalozzistraße, wo auch der Sportunterricht für alle Klassen durchgeführt wird, da die Sporthalle erst später (2. Bauabschnitt) fertiggestellt wird;
Name: „Haupt- und Realschule“;
24 Klassenräume / 11 Fach- und Nebenräume / 9 sonstige Räume;
772 Schüler, 22 Klassen, 29 Lehrer;
Schulraumfrage wird schon bald wieder problematisch;
Unterricht z.T. weiter an der Adolfstraße, Klassen im Karl-Lang-Krankenhaus;
Neubaupläne, als sich die Einführung der Förderstufe abzeichnet, verbunden mit Plänen für eine Gesamtschule mit Oberstufe

1972
Förderstufe wird im UTK eingeführt;
Schulbezirke für diese Förderstufen verändern die Schullandschaft nachhaltig; der bis 1986 geltende Einzugbereich wird festgelegt;
Pläne für den Neubau an der Emser Straße;
874 Schüler, 27 Klassen

1974
„Gesamtschule des Untertaunuskreises in Bad Schwalbach“;
Pläne für eine gymn. Oberstufe ad acta gelegt

1975
Klassen 7 – 10 beziehen den 1. Bauabschnitt an der Emser Straße;
Klassen 5 und 6 weiter in der Wiedbachschule-, in die dort freigewordenen Räume zieht die Sonderschule ein

1976
2. Bauabschnitt an der Emser Straße wird bezogen; alle Klassen jetzt unter einem Dach; die Gesamtschule verfügt (wie heute) an der Emser Straße über 38 Klassen / allgemeine Unterrichtsräume (davon 8 innenliegend) 19 Fach- und Nebenräume (davon 16 innenliegend) 14 sonstige Räume (davon 5 innenliegend)

1977
der Gipfel des „Schülerbergs“ ist erreicht:
1187 Schüler, 41 Klassen (.1978 weniger Schüler, aber 2 Klassen mehr);
8 Klassen in innenliegenden Räumen (davon 2 ohne jedes Tageslicht) und 3 Wanderklassen; erste Überlegungen, die ursprüngliche Bauplanung den sinkenden Schülerzahlen anzupassen

1978
„Nikolaus-August-Otto-Schule“, der 1968 eingegangene Name wird wieder angenommen

1985
Fertigstellung der Sporthalle an der Emser Straße (bis dahin Sportunterricht in den Hallen an der Pestalozzistraße und an der „BGS-Kaserne“)

1972-1986
793 Schüler, 32 Klassen, 45 Stellen / 56 Lehrer; „nur“ noch 2 Klassen in innenliegenden Räumen oder als Wanderklassen; Pläne, den vorhandenen Raumbestand der Schülerzahl anzupassen und dabei die bis jetzt noch fehlenden Fachräume einzurichten, liegen vor und werden hinsichtlich der zugrunde liegenden Konzeption (Aufgeben des Stammklassenprinzips) diskutiert.

1990
In einigen Klassenräumen werden bedenkliche Asbestwerte gemessen. Während Schülerinnen und Schüler an andere Schulen ausgelagert werden, werden die Fugen zwischen den Wandelementen provisorisch abgeklebt.

1997
673 Schülerinnen und Schüler. In einem Anbau auf der Seite der Emser Straße entstehen acht neue Klassenräume. Später wird der Anbau um acht weitere Klassenräume erweitert.

1999-2001
Umfangreiche Asbestsanierung zunächst des Obergeschosses, dann des Untergeschosses und zuletzt des Mittelgeschosses.

2001
Ende der Förderstufe. Der Gymnasialzweig beginnt nun in Klasse 5.

2003
Neubau einer Cafeteria und von vier naturwissenschaftlichen Fachräumen. 972 Schülerinnen und Schüler werden in 39 Klassen von 62 Lehrkräften unterrichtet.

2008
Über 1200 Schülerinnen und Schüler. Die Schule erhält eine gymnasiale Oberstufe und neben einem eigenen Oberstufengebäude eine neue Aula.

2011
Die ersten Abiturientinnen und Abiturienten werden aus Klasse 13 entlassen. Der dritte Abiturientenjahrgang ist ein Doppeljahrgang, da die Schule ab dem Schuljahr 2007/8 auf G8 umgestellt wurde. Mit Beginn des Schuljahrs 2014/15 kehrt die Schule zu G9 zurück.

 

Im Rückblick auf fast 150 Jahre weiterführende Schule in Bad Schwalbach lässt sich aus dieser Übersicht ohne Zweifel ablesen, dass sich das Bildungsangebot am Ort über die Zeit langsam, aber beständig ausgeweitet hat und die heutige Schule bei allen berechtigten Wünschen für weiteren Ausbau auf besseren Unterrichtsbedingungen aufbauen kann als ihre Vorgänger.